WARUM TOM CORONEL NOCH LANGE NICHT GENUG HAT

2022-05-24T18:00:58+02:00Mai 24th, 2022|2022, WTCR Race of Germany 2022|

„Das Auto weiß nicht, wie alt man ist“, sagt Tom Coronel, der Anfang des Jahres seinen 50. Geburtstag gefeiert hat.

Der Niederländer tritt im diesjährigen FIA Tourenwagen-Weltcup (WTCR) in einem mit Goodyear-Reifen ausgestatteten Audi RS 3 LMS für das Team Comtoyou DHL Audi Sport an. Er ist dabei auch für die Teilnahme an der WTCR-Trophy-Meisterschaft berechtigt. Vor dem zweiten Rennwochenende der Saison auf der Nordschleife hatte Coronel einziges zu erzählen.

In diesem Jahr treten Sie neben dem WTCR auch in der TCR Europa an. Wie sehr hilft es Ihnen so viele Rennen zu bestreiten?

„Es ist immer gut, Kilometer zu machen, denn dann fühlt man sich mehr mit dem Auto verbunden, egal ob es sich dabei um Rennen oder um Tests handelst. Je mehr man fährt, desto eher wird man eins mit dem Auto.“

Waren Sie jemals auf eine Saison so gut vorbereitet wie jetzt?

„Sieht nicht so aus. Ich glaube, dieses und vergangenes Jahr waren die Jahre, in denen ich zusammen mit dem Team und dem Auto die beste Vorbereitung hatte. Es gab auch schon Jahre, in denen ich vor dem ersten Rennen keinen Test hatte, aber das ist jetzt definitiv nicht mehr der Fall.“

Was kann der WTCR von Tom Coronel in dieser Saison erwarten?

„Das Ziel ist, mindestens ein Rennen zu gewinnen und ein paar Mal auf dem Podium zu stehen. Meine Sponsoren und ich leben für diese Augenblicke des Erfolgs. Aber es wird schwierig werden, da es der WTCR so hart umkämpft ist. Es scheint, als würde die Konkurrenz von Jahr zu Jahr stärker werden. Deshalb muss man sich selbst steigern und immer fokussieren können.“

Sind Sie ein Fan des neuen Wochenend-Formats?

„Ich kenne dieses Format schon eine Zeit lang. Was mir daran so gefällt, ist die Art und Weise, wie im Qualifying die Punkte vergeben werden. Es gibt jetzt nicht mehr die Möglichkeit, Spielchen zu spielen, sondern jeder Fahrer muss alles rausholen, um im Qualifying möglichst viele Punkte zu holen. “

Wenn man das Reversed-Grid-Rennen gewinnen will, muss man im ersten Rennen vorsichtiger sein, oder?

„Man muss clever fahren, aber das macht die ganze Sache auch erst interessant. Aber ehrlich gesagt, denkst du als Rennfahrer nicht an die Gesamtsituation, wenn du deinen Helm aufhast und eine Lücke siehst.“

Dies ist Ihre 33. Saison im Rennsport, was eine großartige Errungenschaft ist. Aber sind Sie heute noch genauso motiviert wie damals, als Sie angefangen haben?

„Ja, aber wissen Sie, was das Problem ist? Obwohl ich gerade meinen 50. Geburtstag gefeiert habe, fühle ich mich immer noch wie 24. Manchmal bereitet mir das selbst Probleme. In allen Dingen, die ich tue, sehe ich den Wettbewerb. Manchmal gehe ich mit Freunden laufen und will sie dann fertig machen. Ich bin im Kopf also immer noch derselbe, der ich war, als ich angefangen habe. Es ist schwierig, meine Situation genau zu erklären, weswegen ich ein Zitat von Jan Lammers anführen will: “ Das Auto weiß nicht, wie alt du bist.“ Ich finde, dieses Zitat beschreibt meine Situation ganz gut. Im WTCR-Fahrerlager gibt es keinen Wettstreit, den ich nicht gewinne, egal ob es sich dabei um Laufen, Schwimmen oder Paddeln handelt. Ich habe irgendwas Seltsames im Kopf, das mich immer weiter antreibt.“

Als nächstes steht im WTCR die Nordschleife auf dem Programm. Wie großartig ist diese Strecke?

„Der Nürburgring ist keine großartige Strecke, sondern die beste Strecke auf diesen Planeten. Es gibt nichts Verrückteres und Intensiveres als das Gefühl, was man bekommt, wenn man auf der Nordschleife fährt. Ich habe sie schon immer geliebt. Aber man muss diese Strecke respektieren und sie und sich selber verstehen. Nur so kann man auf dieser langen Runde eine ordentliche Zeit zusammenbringen. Man muss wissen, wo man bremst, wo man Gas gibt und wie man sich verhalten muss, da man sonst das Auto wegwirft. Ich freue mich unheimlich auf die Nordschleife und bin dort in diesem Jahr schon ein VLN-Rennen gefahren. Dementsprechend war ich selten so gut vorbereitet wie jetzt. Auch wenn ich auf der Strecke schon viele Runden gefahren bin, gibt es immer noch Dinge, die ich immer noch nicht weiß. Nach dem Test, den wir vor kurzem hatten, habe ich zu meinem Ingenieur gesagt, dass ich sofort weiterfahren will, weil das Auto, die Reifen und die Strecke sich so gut angefühlt haben. Ich habe manche Kurven auf eine Art und Weise genommen, wie es normalerweise nicht möglich ist und das hat mich ziemlich überrascht. Aber genau aus diesem Grund fühle ich mich jetzt so gut vorbereitet.“