News

WTCR Interview: Gabriele Tarquini

2018-11-18T10:30:13+02:00November 18th, 2018|2018, WTCR-Rennen von Macau 2018|

Gabriele Tarquini ist der erste Gesamtsieger des WTCR – FIA World Touring Car Cup presented by OSCARO, weil er nach einem actionreichen Showdown am Sonntag in Macau Yvan Muller mit drei Punkten Vorsprung schlug*. Das hatte der Hyundai BRC Racing Team Fahrer anschließend zu sagen.

Wie fühlt es sich an, der erste WTCR – FIA World Touring Car Cup presented by OSCARO Champion zu sein?
“Ich wollte den Titel unbedingt holen, weil es eine schwierige Saison war. Die erste WTCR-Saison überhaupt. 90 Prozent der Saison über habe ich die Gesamtwertung angeführt. Es war toll und die WTCR war toll. Ich muss auch Hyundai dafür danken, dass ich für sie fahren durfte. Mein Dank gebührt auch dem BRC Racing Team, den Mechanikern und meinem Teamkollegen [Norbert Michelisz]. Ich möchte auch Yvan [Muller] gratulieren, der die ganze Saison über super Arbeit abgeliefert hat. Er war ein harter Gegner. Und ich habe vergessen, meiner Familie zu danken – meiner Frau, meiner Tochter und meinem Sohn!”

Hätten Sie zu Saisonbeginn erwartet, den Titel zu holen?
“Ehrlich gesagt habe ich erwartet, um den Titel zu kämpfen. Ich wusste schon, dass das Auto sehr gut sein würde. Aber vier Hyundais waren auf einem Niveau und die anderen haben sich auch nicht lumpen lassen. Norbi, Yvan and Thed [Björk] sind klasse. Wie ich von Anfang an gesagt habe: Es wird nicht der Schnellste Champion, sondern der Glücklichste oder der Cleverste. Die Saison ist mit 30 Rennen lang.”

Haben Sie nach dem Ausfall in Rennen 2 geglaubt, dass Sie keine Chance mehr auf den Titel hätten?
Ich habe den Titel auf die harte Tour geholt – indem ich selbst einen Fehler gemacht habe. Ich kann niemand anderem dafür die Schuld in die Schuhe schieben. Es war mein Fehler im Qualifying. Sonst wäre es einfacher gewesen, aber so musste ich im zweiten und dritten Rennen von Position 14 starten. Ich wusste aber, dass am Start immer etwas passieren kann. Im zweiten Rennen ist es so gekommen, weil ich in sehr guter Position war und zwei oder drei Autos knacken konnte. Jemand vor mir ist abgeflogen, aber wir standen mitten in der Lisboa-Kurve und jemand hatte mir das Heck meines Autos total zerstört. Im dritten Rennen – wohl der schlechteste Start des gesamten Wochenendes für mich – hatte ich etwas mehr Möglichkeiten, die erste Kurve zu überleben. Nach der ersten Runde war 50 Prozent der Arbeit erledigt. Es war aber ziemlich schwierig, weil ich Thed hinter mir hatte. Mein Auto war viel schneller als gestern, als leistungsmäßig etwas nicht stimmte. Es war knifflig, aber das macht es noch süßer.”

Wo ordnen Sie diesen Titel verglichen mit Ihrem anderen FIA World Touring Car Titel ein?
“Ganz oben, weil das Niveau wohl höher ist als 2009, als mehr oder weniger nur SEAT Fahrer die Chance auf die Krone hatten. Diesmal war es nicht wie 2009, weil viele Fahrer viel gekämpft haben. Mit der Balance of Performance ist man manchmal oben auf und manchmal hinten dran. Es ist für jeden verdammt hart, Punkte zu holen.”

Stimmt es, dass Sie nach 2009 geplant hatten, den Helm an den Nagel zu hängen?

“Ich erinnere mich daran, dass ich vor neun Jahren mit dem Titel in die Pressekonferenz gegangen bin und überlegt habe aufzuhören. Was will man mehr erreichen als einen WM-Titel? Es ist wohl der beste Augenblick um Schluss zu machen. Aber auf dem Weg dachte ich: ‘Warum aufhören? Ich will Rennen fahren. Ich habe noch das Adrenalin, ich bin nicht langsam, ich bin konkurrenzfähig.’ Weil SEAT sich zurückgezogen hat, habe ich entschieden, 2010 nochmal mit einem Privatteam anzugreifen. Es war eine schwierige Zeit, aber neun Jahre später habe ich wieder um den Titel gekämpft. Es ist schon merkwürdig, aber teilweise ist das Leben eben merkwürdig.”

Ihr Titel muss doppelt wertvoll sein, weil sie sich so stark bei der Entwicklung des Hyundai i30 N TCR eingebracht haben.
“Die Vorbereitung hat sehr lange gedauert. Ich habe mich lange ins Zeit gelegt, aber auch Hyundai – die Ingenieure, die Mechaniker, das Team. Alles war von Anfang an gut vorbereitet, der Plan stimmte und wir sind die Saison so gut wie nur möglich angegangen. Ich bin sehr stolz auf unsere Leistung.”

Yvan Muller hat angekündigt, 2019 in die WTCR OSCARO zurückzukehren. Werden Sie Ihren Titel verteidigen?
“Ehrlich gesagt weiß ich es noch nicht. Ich will zur Ruhe kommen. Ich bin 56 Jahre alt, noch immer ziemlich schnell und wahrscheinlich cleverer als zu den Zeiten, in denen ich jünger war. Es ist mein dritter WM-Titel, weil ich auch im Kartsport einen gewonnen habe. Ich glabe nicht, dass ich aufhören möchte. Wenn Hyundai mit mir weitermachen möchte, werde ich weitermachen.”

GABRIELE TARQUINI (Italien)

GEBURTSDATUM: 02.03.1962
NATIONALITÄT: italienisch
TEAM: BRC Racing Team
AUTO: Hyundai i30 N TCR

WTCR 2018 Statistik
WTCR Starts 29 SQ Q1 Teilnahmen 10
WTCR Siege 5 SQ Q2 Teilnahmen 6
WTCR Poles 2 SQ Q3 Teilnahmen 5
WTCR schnellste Rennrunden 5 Bestes Qualifying-Ergebnis 1
WTCR Runden in Führung 73 Bestes Ergebnis 1

 

WTCR 2018

Rennen für Rennen

FQ

Ergebnis

R1

Ergebnis

R1

Ergebnis

SQ

Ergebnis

R2

Startplatz

R2

Ergebnis

R3

Startplatz

R3

Ergebnis

Punkte

 

Marokko 3 3 1 1 10 19 1 1 62
Ungarn 4 4 6 2 8 4 2 1 56
Deutschland 7 6 DNF 14 14 DNF DNS DNS 0
Niederlande 24 24 DNF 22 20 19 27 18 0
Portugal 9 9 (3)** 4 3 8 9 3 2 42
Slowakei 1 1 3 7 2 1 9 DNF 42
China (Ningbo) 4 9 4 4 7 DNF 4 2 23
China (Wuhan) 21 20 17 16 16 DNF 16 13 0
Japan 5 8 8 2 8 5 2 1 50
Macau 8 7 4 14 14 DNF 14 10 15

**Startplatz beim Neustart

FÜNF FAKTEN

Tourenwagen-Legende: Als Ex-Formel-1-Fahrer mit 37 Grand-Prix-Starts ist Tarquini seit mehr als zwei Jahrzehnten eine Tourenwagen-Legende. Technische Expertise und ein schnörkelloser Fahrstil sind seine wichtigsten Fähigkeiten.

Europas Bester: Nach einem Titel in der British Touring Car Championship 1994 eroberte Tarquini die Europameisterschaft im Sturm und holte auf dem Weg zu seinem Titel 2003 sechs Siege.

Weltweit erfolgreich: Tarquini wurde 2009 mit SEAT World Touring Car Champion. Obwohl er danach keinen Titel mehr holte, gewann der Italiener in sechs der folgenden sieben Saisons jeweils mindestens ein Rennen, darunter zwei Siege mit LADA in seinem vollen WM-Jahr 2016.

Holpriges Comeback: In der WTCC zu fahren war immer Tarquinis oberste Prämisse, aber die Umstände seines Comebacks 2017 mit Honda in China waren alles andere als ideal. Tarquini ersetzte damals seinen verletzten Freund und früheren Teamkollegen Tiago Monteiro.

Wussten Sie schon, dass …? Tarquini hat eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung des Hyundai i30 N TCR gespielt, als er 2017 als Entwicklungsfahrer verpflichtet wurde.

SEINE BISHERIGE KARRIERE:
1983: 1, Kartsport in Italien und Europa
1984: 1, Kartsport in Italien und weltweit
1985: 6, Formula  3000
1986: 10, Formula 3000
1987: 8, Formel 3000; Formula One World Championship (Osella)
1988: (bestes Ergebnis 8.), Formula One World Championship (Coloni)
1989: 5 (1 Sieg), Italian Super Touring Championship (BMW M3); (bestes Ergebnis 6.), Formula One World Championship(AGS)
1990: (bestes Ergebnis 13.) Formula One World Championship (AGS)
1991: (bestes Ergebnis 8/11) F1 (AGS/Fondmetal)
1992: 5, Italian Super Touring (BMW M3); (bestes Ergebnis 14.) F1 (Fondmetal)
1993: 3 (5 Siege), Italian Super Touring (Alfa Romeo 155)
1994: 1 (8 Siege), British Touring Car Championship (Alfa Romeo 155)
1995: 7 (2 Siege), Italian Super Touring (Alfa Romeo 155)
1996: 14 (1 Sieg), International Touring Car Championship (Alfa Romeo 155)
1997: 6 (1 Sieg), BTCC (Honda Accord)
1998: 7 (1 Sieg), German Super Touring Championship (Honda Accord)
1999: 4 (1 Sieg), German Super Touring (Honda Accord)
2000: 6 (3 Siege), BTCC (Honda Accord)
2001: 3 (9 Siege), European Super Touring Championship (Honda Accord)
2002: 14 (bestes Ergebnis 3.), European Super Touring (Alfa Romeo 156)
2003: 1 (6 Siege, European Super Touring (Alfa Romeo 156)
2004: 3 (6 Siege), European Super Touring (Alfa Romeo 156)
2005: 7 (2 Siege), FIA World Touring Car Championship (Alfa Romeo 156)
2006: 5 (1 Sieg), WTCC (SEAT León)
2007: 8 (1 Sieg), WTCC (SEAT León / SEAT León TDi)
2008: 2 (3 Siege), WTCC (SEAT León TDi)
2009: 1 (3 Siege), WTCC (SEAT León TDi)
2010: 2 (5 Siege), WTCC (SEAT León TDi)
2011: 5 (1 Sieg), WTCC (SEAT León TDi/SUNRED León 1.6T)
2012: 4 (1 Sieg), WTCC (SEAT León)
2013: 2 (2 Siege), WTCC (Honda Civic)
2014: 6 (1 Sieg), WTCC (Honda Civic WTCC)
2015: 5 (bestes Resultat 2.), WTCC (Honda Civic WTCC)
2016: 9 (2 Siege), WTCC (LADA Vesta)
2017: NC, WTCC (Honda Civic WTCC); NC, TCR International Series (Hyundai i30 N TCR)
2018: 1 (5 Siege), WTCR – FIA World Touring Car Cup presented by OSCARO (Hyundai i30 N TCR)

*Vorbehaltlich der Bestätigung durch die FIA